Why not admit it? With regard to Jazz (jazz in spirit and essence, if not always strictly
respectful of its canons) we had abandoned all hope of discovering an artist of Michel
Petrucciani's calibre. Until very recently, besides the sterile imitations of grand masters
who are rapidly becoming an extinct species, the future of jazz seemed to be heading further
and further away from its own specific idiom, drawing sustenance from other more vital
sources such as rock, experimental contemporary music, electronic music…
In less than a year Michel Petrucciani has swept away these rather sad prospects. His piano
playing oozes jazz from all of its pores (while at the same time avoiding any reference to
both seductive pseudo-romanticism and to pretentious avant-garde mannerisms). And he never
repeats himself. This is the real marvel, the "good news". It's not Petrucciani's surprising
youth or his uncommon cirtuosity - neither of which are very important. Essentially Petrucciani
has created new music out of the saturated web of rules that form post-Parker jazz. His
music is immediately recognizable and is not based on pre-existing models. For this reason
he is a mature musician, and if we must insist on referring to Petrucciani in the same
breath as any illustrious predecessors, it would only be to place him next to them, and not
to attribute to them any more or less legitimate paternity over him.
Whoever has actually heard Michel Petrucciani play with the musicians who accompany him on
his record (Furio Di Castri and Aldo Romano are not simply sidemen; they enhance the work
of the young pianist) know what I'm talking about to a far greater extent than my words can
express. They don't need my words to simulate their interest in this record. The others, to
whom Petrucciani is only a name, should listen to "Estate" for example. Though it is nothing
more than a pretty song, it is transformed into great art when someone comes along who can
really "sing" it. At the very least we can state that Petrucciani knows how to "sing" it in
his own way - which is not the way of Joao Gilberto - but is, without a doubt, much more
eloquent than any words that try to convey the meaning of lyricism.
Daniel Soutif
Warum sollte man es nicht zugeben? In Bezug auf den Jazz (Jazz im Geiste und seiner Wesenheit,
nicht immer voller Respekt vor seinen Untergattungen) hatten wir alle Hoffnungen aufgegeben,
einen Künstler von Michel Petrucciani's Kaliber zu entdecken. Bis kürzlich, neben den erfolglosen
Imitationen großer Meister, die zu einer rapide aussterbenden Spezies gehören, schien es,
als ob sich in der Zukunft der Jazz immer weiter und weiter von seiner klaren Ausdrucksweise
entfernt und sich von lebendigeren Quellen wie Rock, experimenteller zeitgenössischer Musik
oder elektronischer Musik ernährt.
In weniger als einem Jahr hat Michel Petrucciani all diese traurigen Aussichten weggeschwämmt.
Sein Pianospiel strahlt Jazz aus allen Poren aus (während ich an diesem Punkt jeden Hinweis
auf verführerische Pseudoromantik und wichtigtuerische Avantgarde-Manieriertheit vermeiden
möchte). Und er hat sich nie wiederholt. Das ist das wirkliche Wunder, die "guten Nachrichten".
Es ist nicht Petruccianis überraschende Jugend oder seine ungewöhnliche Virtuosität - keines
von beiden ist sehr wichtig. Im Grunde hat Petrucciani eine neue Musik aus dem Netz aus Regeln,
die den post- Parker Jazz geformt haben, geschaffen. Seine Musik ist sofort wiedererkennbar
und basiert nicht auf altbekannten Modellen. Aus diesem Grunde ist er ein reifer Musiker,
und wenn wir darauf bestehen müssten, Petrucciani in einem Atemzug mit jedem anderen berühmten
Vorgänger zu nennen, dann müssten wir ihn mit ihnen auf eine Stufe stellen und ihnen nicht
eine mehr oder weniger rechtmäßige Vaterschaft zuschreiben. Wer auch immer Michel Petrucciani
mit den Musikern, die ihn auf seinen Aufnahmen begleitet haben, spielen gehört hat (Furio Di
Castri und Aldo Romano sind nicht einfach nur Begleiter; sie verbessern die Arbeit des jungen
Pianisten) weiß, worüber ich spreche. Sie benötigen meine Worte nicht, um Interesse an dieser
Aufnahme zu heucheln. Die Anderen, für die Petrucciani nur ein Name ist, sollten sich zum
Beispiel einmal "Estate" anhören. Obwohl es nichts weiter als ein schönes Stück ist, verwandelt
es sich in wahre Kunst, wenn jemand es spielt, der es wirklich "singen" kann. Zuletzt können
wir festhalten, dass Petrucciani weiß, wie er es auf seine Art und Weise "singen" muss -
welche nicht die Art von Joao Gilberto ist - aber sie ist zweifellos gewandter als alle
Worte, die versuchen, die Bedeutung der Lyrik zu vermitteln.
Daniel Soutif
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